Willkommen auf der Website der Gemeinde Gemeinde Meggen



Sprungnavigation

Von hier aus k?nnen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:
Startseite Alt+0 Navigation Alt+1 Inhalt Alt+2 Suche Alt+3 Inhaltsverzeichnis Alt+4 Seite drucken PDF von aktueller Seite erzeugen

Schweinehaltung Landwirtschaftsbetrieb Kaspar Hofer: Fakten statt Emotionen

Die Entscheidung der Familie Hofer, die Öffentlichkeit um Hilfe zum Erhalt ihres Betriebes zu bitten, hat hohe Wellen geschlagen. Auch der Gemeinderat Meggen bedauert es sehr, dass sich die Familie in ihrer Existenz bedroht fühlt.

Die Absicht der Familie, mittels Crowdfunding den Neubau eines Stalles zu ermöglichen, hat viele emotionale Reaktionen ausgelöst, welche in einen Proteststurm gegen die Ge­meinde mündeten. Auch wenn das Anliegen der Familie Hofer nachvollziehbar und verständ­lich ist, gilt es die Entstehung der heutigen Situation in Bezug auf die bestehenden Bau­ten, die Zonenplanung und die Nutzung des Stalles zu klären.

Zonenplanung
Die heute bestehende Ortsplanung der Gemeinde Meggen im Gebiet Hochrüti ist die Folge der Aktivitäten der Bauernfamilie Hofer, welche zwischen 1957 und 1966 knapp 7000 m2 Land ihrer Liegenschaft zur Erstellung von Wohnbauten veräusserte. Zum Zeit­punkt der ersten Zonenplanung im Jahr 1977 war diese Landfläche bereits mehrheitlich über­baut, sodass die Gemeinde dieses Gebiet zwangsläufig einer Bauzone zuweisen musste. Durch den Verkauf von Bauland legte die Familie Hofer den Grundstein für die Anbin­dung der Siedlung an ihren Landwirtschaftsbetrieb. Die rechtliche Umsetzung dieses Sach­verhalts in der Nutzungsplanung des Jahres 1977 durch den Gemeinderat entsprach letzt­endlich den Vorgaben in Bezug auf die Raumplanung. 

Entwicklung der Schweinehaltung
Im Jahr 1957 wurde auf dem benachbarten Grundstück gegenüber des Stalls be­reits ein Wohn­haus erstellt. Auch wenn zum heutigen Zeitpunkt nicht mehr nachvollzogen wer­den kann, ob damals bereits eine Schweinehaltung durch die Familie Hofer betrieben wurde, ist da­von auszugehen, dass diese in einem geringen Ausmass stattfand. Be­legt ist jedoch, dass eine Erhöhung des Tierbestandes und eine Veränderung der Schweinehaltung durch die Fami­lie Hofer im Jahr 2015 erfolgten.
Den landwirtschaftlichen Betriebsdaten der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald (lawa) kann entnommen werden, dass die Familie Hofer in den Jahren 2012 bis 2014 ledig­lich sieben Mast­schweine gehalten hat. Seit dem Jahr 2015 betreibt sie eine Schweinezucht mit 20 Zuchtschweinen und zwei Ebern. Diese Daten entsprechen denjenigen Anga­ben, wel­che die Familie Hofer im Sinne der Selbstdeklaration dem Kanton meldete. Die Umstel­lung von Mast- zu Zuchtschweinen erforderte bauliche Veränderungen, welche ohne Bewilli­gung erstellt wurden. Dabei gilt es zu beachten, dass bereits die Umstellung der Schweine­haltung eine baubewilligungspflichtige Nutzungsänderung darstellt.

Geruchsklage infolge Mehrimmissionen
Der Erwerb des benachbarten Grundstückes durch den heutigen Grundeigentümer erfolgte im Frühjahr 2013 zu einem Zeitpunkt, als der Betrieb deutlich weniger Schweine hielt als heute. Die Umstellung und Erweiterung der Schweinehaltung führte zu einer Intensivierung der Geruchsbelastung. Dies führte schliesslich zur Einreichung einer Geruchsklage. Auf­grund die­ses Sachverhalts forderten die kantonalen Behörden die Gemeinde auf, von der Fami­lie Hofer ein nachträgliches Baugesuch zu verlangen, damit die Schweinehaltung zusam­men mit den baulichen Veränderungen in einem Verfahren behandelt werden kann. Die eingereichte Ge­ruchsklage führte daher nicht zur Stilllegung des Schweinestalls, son­dern beschleunigte ledig­lich das Verfahren.

Stilllegung Schweinehaltung in bestehendem Stall
Der Gemeinderat verfügte am 12. Dezember 2018, dass die Schwei­nehaltung im bestehenden Stall, Gebäude Nr. 237, Hochrüti, stillgelegt werden muss. Ein Ab­bruch des Gebäudes wurde jedoch nicht verfügt – für einen Abbruch bestanden weder Gründe noch die gesetzlichen Vorgaben.

Landwirtschaftliches Einkommen: Anteil der Schweinehaltung
Mehrmals legte die Familie Hofer dar, dass die Schweinehaltung in etwa die Hälfte des landwirtschaftlichen Einkommens ausmacht. Neben dem nachträglichen Baugesuch hat die Fami­lie Hofer auch eine mögliche Aussiedlung prüfen lassen. Aufgrund der eingereichten Unterla­gen und der Strukturen des Betriebes ist ersichtlich, dass die Haltung von lediglich 20 Zuchtschweinen und zwei Ebern nicht einen Anteil von 50% des landwirtschaftlichen Einkom­mens ausmachen kann, sondern deutlich weniger.

Neubau Stallgebäude
Die gestartete Spendenaktion soll dazu dienen, dass ein neues Stallgebäude erstellt wer­den kann. Bis zum heutigen Zeitpunkt liegt jedoch kein bewilligungsfähiges Bauprojekt vor. Im Rahmen der Vorabklärung hat die Familie Hofer lediglich Standorte für die Erstellung von zwei Gebäuden aufgezeigt, für welche die kantonalen Fachstellen keine Bewilligung in Aus­sicht stellen konnten. Mögliche weitere Standorte sowie andere Betriebsformen wurden bis anhin nicht geprüft. Daher kann zum heutigen Zeitpunkt nicht abschliessend geklärt wer­den, wann und wo ein möglicher Neubau realisiert werden kann. 

Gemeinde unterstützt die Bauern
Als eine der wenigen Gemeinden im Kanton Luzern unterstützt die Gemeinde Meggen seit 1996 die Bauern zusätzlich zu den Bundesbeiträgen mit freiwilligen Hochstammbeiträgen. Al­lein in den letzten zehn Jahren wurden rund 800‘000 Franken ausbezahlt. Weiter gibt die Ge­meinde Meggen den Bauern rund 37 ha Landwirtschaftsland zu günstigen Pachtkonditio­nen ab und fördert die Megger Landwirtschaft mit weiteren Massnahmen.
Bei Meldungen seitens der Bevölkerung in Bezug auf landwirtschaftliche Immissionen konnte der Gemeinderat Meggen jeweils aktiv zwischen den Parteien vermitteln, auch im Gebiet Hochrüti. Je nach Änderung der Tierhaltung sind die Vermittlungsmöglichkeiten der Gemeinde jedoch eingeschränkt.

Wie die Gemeinde Meggen die Landwirtschaft unterstützt
Das neue Siedlungsleitbild der Gemeinde Meggen, welches sich zurzeit zur Genehmigung beim Kanton befindet, enthält in Bezug auf die Landwirtschaft folgende Aussagen:
Meggen unterstützt eine standortgerechte Land- und Forstwirtschaft sowie weitere Mass­nahmen im Landwirtschaftsgebiet, speziell im Bereich Ökologie. Landwirtschaftsbe­triebe werden bei ihrer betrieblichen Weiterentwicklung und wo erforder­lich auch bei der Suche von geeigneten Neubaustandorten beratend begleitet. Innovative Bodennutzungen werden im Einzelfall beurteilt und unterstützt, wenn sie umwelt-, siedlungs- und landschaftsverträglich sind und der besonderen Situation in Meggen gerecht werden.

Gemeinderat Meggen


Luftbild 1976
Das Luftbild aus dem Jahr 1976 zeigt die Lage des Stalles (rot eingefärbt)
und das von der Familie Hofer verkaufte Bauland (grün). Quelle: swisstopo

Datum der Neuigkeit 27. Juni 2019
© Gemeinde Meggen 2019